7. Gilis


Mein SpeedBoot auf die Gilis sollte bald ablegen. Die Touristenwelt hatte mich wieder.

Ja, es gibt diese Gedanken zwischen Backpackern und Touris. Wer reist denn jetzt besser und passt besser auf die Welt auf? Wer kennt sich besser aus oder wer ist verloren?

In der Welt der Touristen und Zettelchen, Jetons und Reihen zum Anstellen bin eindeutig ich verloren. Obwohl ich doch schon an die richtige Stelle gestellt wurde, ging ich immer wieder auf die Toilette, ein Getränk holen oder anderweitig verloren. Unglaublich wie oft mich der nette Guide immer wieder aufgeräumt hat.

Eigentlich ein Wunder, dass Menschen wie ich so völlig unaufgeräumt auch überleben? Ich bin verwirrt.

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Nach Stunden des Wartens, das Boot sollte eigentlich schon längst wieder gelandet sein, durften wir endlich einsteigen.

Es wurde die lustigste Bootstour meines Lebens.

Auf den sonst üblichen schnellen Fischerbooten mit denen ich unterwegs war hat sich noch nie jemand die Schwimmwesten erklären lassen. Wir wurden auch nie gebeten Sonnencreme aufzutragen und auch die Beschwerden über zu warme Cola kannte ich nicht.

Eine ganz neue Erfahrungswelt tat sich auf.

Die schönste Episode war jedoch als sich ein etwas beleibter Reisegast auf die Ankerleine setzte und ich beim Ablegen nicht dazu bewegen ließ diesen Platz zu verlassen.

Mitreisende, der Kapitän und viele Besatzungsmitglieder versuchten es in vielen Sprachen aber er saß.

So zogen sie das Ankerseil zu viert unter ihm hervor damit wir nach 20 Minuten dann doch ablegen konnten.

Ich habe wohl das wahre Abenteuer der Reisen mit Guide bisher immer unterschätzt.

Es ist mir ein wohliges Vergnügen.

So fuhren wir irgendwann mit dem Speedboot aufs Meer, cremten uns ein, tranken die zu warme Cola, wurden gebeten nicht vom Dach zu fallen und bekamen die Buchten und Berge der Insel benannt.

Was für ein Spaß!!!

Wie gebucht kam noch eine Schule Delphine zu unserer Begleitung vorbei. Der Kapitän wurde schnell dazugerufen ob es auch echte Delphine sind und als er dies bestätigte freute sich das Boot gemeinsam.

Ich hatte Tränen in den Augen vor Lachen, vor Glück, vor Vergnügen und einfach, weil es so schön war.

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Bali und der Mount Agung hinter uns wurde immer kleiner und verschwand schließlich fast aus dem Blickfeld.

Das Boot jagte übers Meer und langsam kamen die Gilis in Sicht.

Ich war noch nie auf einer Insel die so ganz kitschig das Wort Inselparadies verdient hat. Das Boot brachte mich direkt nach Gili Air. Sand soweit das Auge reicht begrüßte uns und Palmen wiegten sich still im Wind. Das Meer hatte die Farbe meines türkisfarbenen Kleides und die Menschen wirkten als hätte ihnen jemand das Lachen ins Gesicht gezaubert.

Wir hüpften an den Strand und wurden hüfttief nass. Die Rucksäcke schafften es teilweise fast trocken an den Strand aber nichts konnte das Lächeln trüben.

Die Insel hat eine fast schon schmeichelnd gelassene Ausstrahlung. Tauchbasen, Cafes, Fischer und kleine Shops und Hotelchen lösen einander ab, wenn man den mittleren Weg durch die Insel geht.

Ich hatte meine kleine Unterkunft mal wieder schon vorher gebucht. Meist suche ich mir in der Zwischenzeit bei Booking ein Zimmerchen oder in dem Fall einen ganzen Bungalow aus.

Er lag malerisch inmitten eines Blumengartens und 5 weiterer Bungalows. Hier war also mein Reich für die nächsten Tage – mein Ruhepool, meine Base und mein zuhause auf Zeit.

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Es war ein Traum. Eidechsen lagen auf den Steinen und sonnten sich, ein Frangipanibaum war noch dabei zu wachsen um später mal Schatten zu spenden und überall blühte und zwitscherte es.

Nach einer kurzen Pause um die üblichen Papiere durchzugehen, meinen Reisepass abzuschreiben und alle Quittungen zu unterschreiben durfte ich endlich ans Meer.

Es zog mich magisch an.

Gili Air ist eine kleine Insel vor Lombok und ich schaffte es zu Fuß mehrfach sie in jeweils 2 Stunden zu umrunden.

Das wurde mein willkommenes Abend- und manchmal zusätzlich auch Mittagsritual. Auf der Suche nach den schönsten Stränden, den tollsten Kokosnüssen und den allerbesten Smothies hatte ich viel zu tun. Meist wurde ich im Norden der Insel fündig wo es ein wenig ruhiger und familiärer zugeht. Am zweiten Tag kommt schon die Frage wie es mir geht und wo ich gestern Abend war. Es ist wie nachhause kommen in den Fremde.

Das mit Abstand Beste und unwirklichste und wunderschönste an Gili Air sind jedoch neben den Menschen, Palmen, Stränden und Cocktails die absolut atemberaubenden Sonnenuntergänge die ich in dieser Farbkombination noch nie gesehen habe.

Der abendliche Sonnenuntergang ist ein mindestens einstündiges Farbspektakel was sich nicht nur im Westen abspielt, sondern sich in den Süden und Nordwesten ausweitet.

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Der halbe Himmel ist in lila, rot, orange, blau und gelbe Nuancen getaucht die ein feierliches Fest feiern. Ich wanderte jeden Abend die ganze Westseite entlang und erfreute mich wieder und wieder und wieder an den phantastischen Bildern. Manche schafften es auf die Kamera aber die allermeisten sind in meinem Kopf.

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Ein Bild was ich nur als absolut mindblowing in Erinnerung habe (seitdem weiß ich was das Wort bedeutet) war ein wundervoller Sonnenuntergang in den tollsten Farben. Heute war mal grün mit dran aber die Hauptfarbe war und blieb dunkelrot lila. Wir saßen also in unserem Kinopanorama uns schauten den Krebse Sammlern bei der Arbeit zu.

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In diesem Moment kam eine traumschöne Frau mit ihren Freundinnen und einem schneeweißen Pferd mit langer Mähne ans Meer gelaufen und begann es im Sonnenuntergang zu putzen.

Es ist ein Bild wie vom Kitschposter. Das passiert nicht in der wirklichen Welt oder? Schauen die Menschen neben mir genauso? Ist das wirklich wirklich echt? (alle Bilder auf der Seite sind mit einem HTC 8 fotografiert – no Photoshop!!!)

Scheinbar ja – also genießen und schauen und für immer im Kopf abspeichern.

Wir saßen noch lange am Strand und ließen diese Bilder auf uns wirken. Es war einfach unfassbar und gewaltig und atemberaubend.

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Irgendwann wurde es immer dunkler und die blaue Stunde begann. Das Pferd war sicher unglaublich sauber und es wurde Zeit weiterzugehen.

Am Abend war ein Fest geplant. Gerüchte besagen, dass man auf den Gilis alle Drogen dieser Welt haben könnte und dieses Fest wäre ein guter Platz sie zu testen. Ich bin einfach nur neugierig und mag zuschauen.

Wie soll so ein Platz ausschauen? Wie geht es den Menschen dort und was passiert heute Abend?

Neugier über Neugier ließ mich weiter in den Süden auf das Partygelände am Meer laufen.

Schon von Weitem begrüßten uns wehende Tüllfahnen. Psychodelische Musik und neonfarbene Pilzmalereien an der Wand machten einen phantasievollen Eindruck. Lichter, Fackeln und Lampen in den unterschiedlichsten Farben machten die Tüllfahnen bunt und sorgten für flackernde und flatternde Schatten.

Der DJ war aufs ärgste bemüht keine Musik zu spielen die man irgendwo schon mal gehört oder gar gemocht hätte. Es war ein wenig wie in einem Gruselfilm nur in der Wärme und am Meer.

Ich brauchte an diesem Ort weder wahrnehmungserweiternde Substanzen noch hätte ich diese haben wollen. Der Ort allein war schon unwirklich und Geschichten anregend genug. Schon mein kurzer Gang aufs Stille Örtchen wurde zu einer kleinen Mutprobe. Später setzte ich mich mitten ins Geschehen und ließ Alles auf mich wirken. Entweder waren wir alle noch zu früh oder es waren eindeutig mehr Zuschauer als Partygäste hier.

Alle schauten zu wer welche Drogen genommen haben könnte aber keiner wirkte irgendwie außerhalb der eh schon abstrusen Wahrnehmung.

Nachdem ich mir den Zauber eine Weile angeschaut hatte, wandelte ich weiter.

Am Abend sieht man die anderen Seiten der Insel. Die Touristen sind brav in den Restaurants verräumt und die Einheimischen kommen an die Strände. Kids spielen Fußball, Männer führen ihre Frauen spazieren, Bauarbeiter haben sich ein Basketballnetzt gespannt und trinken Bier. Es ist eine ganz familiäre Atmosphäre. Ständig werde ich eingeladen, gebeten mitzuspielen oder ein Bier mitzutrinken. Nichts davon erweckt einen ungemütlichen Anschein. Ich fühlte mich wohl und entspannt und schaute mit den Jungs aufs Meer.

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Gefühlte Stunden später ging es wieder heim in meine kleine Miniwelt. Morgen ist ein neuer Tag. Wichtige Strände wollen erkundet, Muscheln gefunden und Wellen gehüpft werden. Ja, ich bin zu diesem Zeitpunkt 43 Jahre alt. Glaubt ihr wirklich das die Wichtigkeit dieser Aufgaben eine zeitliche Begrenzung hat?

Sie sind lebenslang wichtig.

So schnell ein wenig schlafen, dann kalt duschen (nicht weil ich möchte sondern weil die Sonne das Wasser erst mittags warm macht) und dann ab zum Frühstück.

Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Käufen.

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