8. Gilis


Die Frühstückspanaromaseite ist die nach Osten. Fischer fahren mit kleinen Booten auf die nahegelegene Insel Lombok hinüber und versuchen die Rekorde im Tüten stapeln zu brechen.

Die Boote wackeln und sinken tiefer und tiefer. Die Tütchen beginnen einen gespenstischen Tanz und nicht wenige der Päckchen ziehen es vor ins Wasser zu fallen.

Direkt neben diesem Spektakel ist mein Frühstückslokal. Ich bin meist der einzige Gast und die Belegschaft ist morgens um 11 noch nicht so ganz ausgeschlafen.

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Ich weiß ja jetzt was sie in der Nacht machen…

So lag ich auf meinem überdachten Balibett, las eines der Bücher die sich in jedem Hotel finden und wartete auf mein heutiges Überraschungsfrühstück.

Die Bedienungen sind jeden Tag Andere und die Köche scheinbar auch. So sieht ein Obstsalat oder ein Pancake, ein Toast mit Omelett oder ganz einfach ein Kaffee jeden Tag wie neu aus. Ich liebe dieses Restaurant. Es bietet mir jeden Tag was Neues ohne, dass ich mich bewegen muss. Urlaubertraum für mich. Ich kann also meine völlig unbekannten Bücher lesen und vor mich hin träumend den Zementtüten zuschauen die sich ins Meer stürzen und habe neben aller Gewohnheit täglich was Neues.

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Apropos Bücher, so viele Reisende tragen ihren E Reader mit sich rum. Wie ist das so für Euch? Ich kann nicht. Ich brauche den Geruch von Papier und das gelbliche der Seiten unter meinen Fingern. Ich liebe den Gedanken wer das Buch schon gelesen hat und wo es schon war. Wegen mir könnte es ein eigenes Reisetagebuch für sich schreiben.

Beim Backpacken reise ich immer mit einem Buch los und dann geht es ans Tauschen. So kam ich im Laufe der Zeit sicher schon an hundert Bücher die ich so zum Teil nie lesen würde.

Per Anhalter durch die Galaxis war eine meiner Lieblingsüberraschungen. Ich hätte es nie gekauft und bin seit dem ersten Buch vernarrt bis über beide Ohren.

Anfänglich las ich nur deutsche Bücher aber das wurde bei meinem Verbrauch zu teuer und zu irrwitzig immer wieder deutsche Literatur zu finden. Wieso stehen wir deutschen Frauen eigentlich auf Kitschromane während die Niederländer die tollsten und spannendsten Krimis und Mittelaltergeschichten im Urlaub lesen? Im amerkikanischen Sprachgebrauch ist sogar Humor oder sience fiction möglich.

So wurde ich ein wenig vielseitiger und mein Geldbeutel freute sich. Es ist doch netter ein Buch auch mal mehrere Tage zu lesen als jedes nur zu verschlingen.

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Zurück zum Frühstück, ich lese also immer noch auf meinem Balibettchen und das Meer übt sich weiter in seinen wunderschönsten türkis Tönen. Den Kellner habe ich in der Zwischenzeit schon dreimal lieb gefragt wie es meinem Kaffee geht. Der Obstsalat schläft noch irgendwo in der Küche.

Vermutlich ist der Hotelboy grad mit dem Radel einkaufen und schaut mal was er meiner Beschreibung entsprechend so einkaufen kann.

Ich liebe es, wenn das Abenteuer schon morgens beginnt. Währenddessen halte ich den Kellner Madi auf dem Laufenden was ich heute so vorhabe. Ich bin mir gefühlt sicher, dass er mich den ganzen Tag über egal wo auf der Insel finden würde – so denn ich mich nur an meinen eigenen Plan hielte.

Zu Hause auf den Gilis – ein tolles Leben… (Für alle die noch mehr über Bali lesen und wissen wollen)

Nach meinen üblichen Strandrunden ist heute mal die Touristenseite dran. Strandbekannte, die man beim Backpacken gern und auch häufig trifft, haben über den besten Schokoladenkuchen der Welt berichtet.

Das muss ich natürlich heute Abend überprüfen.

Es würde da einen ganz tollen Grill und super Fisch zum Abendessen geben, der Capucchino sei phantastisch und der Schokoladenkuchen ein Gedicht.

Also war mein Plan für heute, spazieren bis zum Abend – zwischendrin Reis und Gemüse und dann hungrig ans BuffetBlütenbad.

Juchhuh… Ich freute mich schon auf lustige Touristengeschichten und genoss die Vorfreude.

Stunden später stand ich hungrig, geduscht (heute warm) und im passend zum Meer Kleidchen am Grill.

Vor mir lag eine Auswahl recht unanonymer Fische die mich vorwurfsvoll anstarrten.

War ich nicht vielleicht doch Vegetarier? Der Blick auf den Kartoffelsalat schrie nein. Die Majonaise stand zu weit oben auf der tu das bitte nicht im Urlaub Liste.

So mussten sich die Fische umdrehen, einer wurde ausgezogen und filetiert und verschwand im Bananenblatt auf dem Grill.

Jetzt schnell an die Salatbar. Es gibt grünen Salat, ich meine am Äquator auf einer Insel. Dann hätte ich noch die Variante Eiersalat, russischer Salat und diverse Versionen anderer Majonaisensalate testen können.

Ich überließ die Toiletten lieber den anderen Gästen und fand Karotten und gegrillte Kartoffeln hervorragend zu Fisch.

An meinem Tisch versank ich in Sitzkissen und lag mit entspanntem Blick auf Lombok noch immer dort als der Kellner ankam. Zu dem Fisch im Bananenshirt hat sich noch ein Händchen Pommes, Grillgemüse und diverse Deko gesellt. Es könnte also gut sein, dass ich mir den Abend einteilen muss, damit sich der Schokoladenkuchen nachher nicht völlig überflüssig vorkommt.

Ein Gläschen Wein sollte das Ganze abrunden. Ups – nicht aufgepasst. Wein und Inseln und so kurz vor Australien – das kann zwar gut klappen. Heute war jedoch nicht mein Glückstag. Ich sollte mir die Kombi – Bali ist Bintang einfach besser einprägen.

Der Fisch war göttlich, die Karotten und die Deko blieben am Leben und ich genoss das (wie ich in Bali zu oft sage) beste Essen ever. Kugelrund und voller Genuss schaute ich auf den Sternenhimmel. Die Palmen über uns raschelten leicht vor sich hin und das Meer versank in einem immer tieferen schwarz.

Zeit für Schokoladenkuchen wie ich fand – Schokoladenkuchen mit einem wundervollen Espresso dazu. Ich bin so ein alter Kaffeejunkie wie sicher schon aufgefallen ist. Ja, man kann nach einem Kaffee um 22 Uhr wundervoll schlafen.

So lag ich noch immer in meinem Megakissen, versuchte mit Situps gelegentlich stilvoll an die Gabel zu reichen und verkrümelte meinen Kuchen mit innig verlaufendem Schokoinnenleben um mich herum.

Es war ein Fest.

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