Die Reise zu mir – mal wieder ganz persönlich…


Es gab mal eine Zeit, da hatte ich geglaubt, dass ich Alles aber auch wirklich Alles allein machen mag. Es war die Zeit der Selbständigkeit und die Zeit in der ich erwachsen sein wollte. Die Zeit war geprägt von „ich kann dies“ und „ich will das“.

Für mich zählte der Erfolg im Beruf wie auch im Privatleben. Es ging eigentlich immer nur darum es richtig, gut oder am liebsten am Besten zu machen. Das war so normal für mich, dass ich es garnicht bemerkte.

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Dann kam eine Zeit in der ich durch Asien reiste, tauchen lernte und jeden einzelnen Tag nutzte, mich selbst zu verwirklichen. Ich war nie auf der Suche nach mir und hätte zu jedem Zeitpunkt gesagt, dass ich mich immer dabei hatte. Ich wollte jeden Traum verwirklichen und alles lernen was ich schon immer lernen wollte. Was ich nicht merkte war, dass ich zwar alles verwirklichte – mich selbst dabei aber vergaß.

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In dieser Zeit lernte ich die tollsten Menschen kennen und manche davon lieben. Einige blieben in meinem Leben und andere fanden, dass dort kein Platz für sie sei. Ich konnte es nicht verstehen, da ich doch für jeden einen Platz sah und ließ sie mehr oder weniger gern ziehen. Heute kann ich mir vorstellen was sie meinten.

Ich war dabei alles zu verwirklichen, was ich so in meinem Träumen sah. Hatte ich vor etwas Angst, so wollte ich es um so mehr bezwingen. ich lernte Neues und stellte mich meinen Dämonen.

In den Tiefen des Ozeans hörte ich das Blut in meinen Ohren rauschen und wurde von einer Insel weggeströmt. Mein Herz raste und ich fühlte wie die Welt um mich mehr und mehr aus Wasser wurde. Alles war stärker als ich. Ich war ein Sandkorn im Ozean und trieb davon…

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Zum ersten Mal musste ich anerkennen, dass ich allein nicht weiterkomme. Ein Tauchfreund kam mit dazu und half mir durch die nächsten gefühlten Stunden (3 min 😉 Wir tauchten höher und tiefer und versuchten langsam aus der Strömung heraus nach oben zu gelangen. Wir strampelten mal in die eine und mal in die andere Richtung und sein Höhenmesser piepste die meiste Zeit, dass wir zu schnell auftauchen. Er blieb jedoch ruhig und sah mir während der ganzen Zeit in die Augen. Wir hielten uns an den Westen fest und blickten uns an. Ich versuchte synchron mit ihm zu tauchen und zu atmen und nur daran zu denken was wir jetzt im Moment tun. Zum ersten mal begriff ich wirklich den Unterschied zwischen meiner Welt, in der ich alles allein lösen will und meiner Größe im Universum. Es geht einfach alles einfacher, wenn man füreinander da ist. Dieser Moment war einer der ergreifendsten in meinem Leben – unter uns das tiefe und alles Licht auffressende Blau des Ozeans, unser Boot Kilometer entfernt, kaum Land in Sicht und neben mir dieser Freund, der alle Sorgen dieses Moments mit einem Lächeln wegwischte und mir einfach weiter in die Augen sah bis ich auch lächeln musste.

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Ich habe aus diesem Moment viel gelernt aber manches erst jetzt begriffen. Ich umgab mich mit Menschen, denen ich helfen konnte und mit denen ich gern zusammen war. Auf der anderen Seite wünschte ich mir, dass auch sie mir halfen. Dabei sollten sie allerdings tun, was ich von ihnen brauchte oder wollte. Nur ich nahm noch lange keine Unterstützung an und wollte noch immer alles besser machen und wissen oder gar besser sein…

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Es vergingen noch Jahre und verdammt viele Stürze und auch Fehler bis ich im inneren verstand, dass helfen beginnt, wenn ich eben nicht weiß was ich brauche. Wirkliche Freunde halfen mir oft ganz anders, als ich es erwartet hatte. Wenn jemand etwas wirklich besser kann als ich, verstehe ich oftmals nicht einmal wie die Hilfe jetzt klappen konnte. Das ist für so nen Kopfmensch wie mich ein ganz schön langer Weg gewesen.

Und ich habe jetzt (hoffentlich) endlich verstanden, dass die wahre Unterstützung in dem Moment das Lächeln und die Nähe ist. Diese Nähe und der Blick in die Augen, hat mich getragen und mir geholfen, über mich selbst hinauszuwachsen und den Moment zu meistern.

Ich möchte den Post heute einfach mal nutzen, all den Menschen zu danken, die mir in die Augen schauen, lächeln und einfach da sind. Ich hab Euch lieb!!!

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