Segeln und chillen und die Frage der Macht


Ich habe es endlich gewagt und einen Segelkurs begonnen. 10 Tage mit und ohne Lehrer auf dem Starnberger See und Sonne bis die Haut glüht. Die Zeit war so schön und verging leider wie im Fluge aber ich würde es jederzeit wieder tun. Nur jetzt bitte eben nicht mehr als Kurs. Segeln ist für mich wie Freiheit nur schneller.

Die ersten Tage verbrachten wir auf dem Lehrerboot und lernten die einfachsten Bewegungen. Man glaubt ja gar nicht, wie schwer es ist einen Kreis zu fahren und dabei die Richtung nicht zu vergessen. Okay, wir hatten nur 4 kmh Wind. Da dauert es schon mal was länger. So saßen wir auf dem Boot und übten die Manöver in Zeitlupe oder noch langsamer. Der Lehrer konnte gefühlt ewig warten bis uns das nächste Kommando einfiel und wir dann wiederum noch viel später das Segel bewegten. Da ich meine erste Segelerfahrung auf dem Achensee und dann auf dem Atlantik machte, fühlte ich mich ein wenig komisch und verlangsamt. So konnte ich jedoch viel mehr genießen und hatte Zeit für Sonne, Wasser und das unglaubliche Alpenpanorama.

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Nach den drei Lehrertagen kam jedoch ein wenig Tempo in die Kajüte. Der Lehrer blieb an Land und gleichzeitig verdreifachte sich der Wind. Jetzt mussten die Manöver in 10 Sekunden laufen, die noch am Tag davor alle Zeit der Welt hatten. Ups… Für mich war das noch immer recht entspannt aber die Leute, die mit auf dem Boot waren, wirkten ein wenig gestresst.

Es ist schon verwegen zu erwarten, dass man die Fock – das vordere Segel – auf Zuruf relativ zeitnah bewegt und es ist scheinbar noch verwegener zu erwarten, dass dies dann passend zum Kommando und nicht irgendwie passiert. So hatten wir sehr viel Vergnügen und Chaos  auf dem Boot und jeder hatte irgendwie andere Ideen vom Segeln im Kopf. Da wir zu allem Spaß auch noch verschiedene Lehrer an den Vortagen hatten, wurde es noch bunter. Drei bis fünf Laien tummelten sich auf einem Boot und jeder meinte genau das einzig wahre zu tun.

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So kamen wir recht bald zur Frage der Macht… Ein Köpfchen muss Bootsführer sein und es war nicht immer gut den zu bestimmen, der dies sein wollte. So lernte ich auf 8 Quadratmeter Boot viel über Management, Leadership und Autorität. Es ist schon spannend, dass sich häufig die Menschen mit dem größten Wissen in der zweiten Reihe verstecken und die mit der größten Klappe die falschen Ansagen geben. Hm – ist das in der echten Welt eigentlich auch so? Auf dem Boot führte häufig der Lauteste und eigentlich eher selten der oder die die segeln konnte. Oft wurden sogar die richtigen Argumente einfach platt gebügelt, damit der Lauteste weiter seine Ansagen machen konnte. Ich war erstaunt und ein wenig verblüfft, wo ich doch sonst so demokratisch und effizient leben möchte. Ich habe als Bootsführerin lieber das Wissen und Können aller zu nutzen versucht und dann die Entscheidungen getroffen. Hm – leider war das ziemlich schwierig, wenn dann ein lauter Mensch an Bord war. So ging auch ich in die zweite Reihe und sah zu, entspannte mich und griff einfach wortlos ein, wenn es nicht klappte.

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Auch sehr spannend fand ich die Launen je nach Wetter und Wind. Es gab an Bord tatsächlich die Sonnen – und die Regenfraktion. Ich gehöre eher so in die Sturmrichtung. Es gibt kein schlechtes Wetter sondern nur unangenehme Kleidung… Es konnte Regnen und pladdern wie es wollte, wenn der Wind ging und das Boot schräg stand, war ich glücklich. Dann gibt es noch die Sonnenfraktion. Die fährt grinsend und entspannt ihre 20 min Wende und lässt sich die Sonne auf den Kopf brennen. Da fahre ich die Manöver eher so, dass ich auf der Schattenseite des Segels sitze. Hihi – auf ein Leben gerechnet, werde ich jedoch viel mehr Platz auf dem See haben. Bei Sturm und Regen gehört er mir und die Sonne können die 500 anderen Segler haben.

Übrigens soll Zitronensäure gegen Sonnencreme Flecken helfen. Das Hemd liegt im Moment im Wassereimer. Drückt mir die Daumen, dass es klappt.

Wichtig ist übrigens nicht nur die Sonnencreme sondern auch die Regenkleidung. Da ist dicht sicher weit wichtiger als das wundervolle Styling. Ich schaue nach Regenkleidung in der ich mich gut bewegen kann. Die ohnmachtssichere Rettungsweste macht sichtbar und ein wenig warm und würde über Wasser halten, wenn man hineinfällt.

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