Elternschule


Heute mal sehr kritisch… Es gibt einen neuen Film über sogenannte „Pädagogik“ im Kino… Es ist mir jedoch nicht möglich ihn anzuschauen. Elternschule erscheint mir schon vom Trailer her ein Gruselfilm zu sein.

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Bild aus dem Film – Elternschule

Allerdings sehe ich auch immer wieder, dass Familien Hilfe brauchen. So möchte ich nicht nur kritisch sein sondern auch ein paar Buchtipps geben, die ich wirklich empfehlen kann weil sie sicher helfen.

 

Ich leite seit Jahren verschiedene Wohngruppen und Einrichtungen für Kinder mit einem besonderen Bedarf aber auch Kinderkrippen und einen Kindergarten. Die Grundlage meiner Arbeit waren durchgängig Bindung und Sicherheit.

Wenn diese zwei Grundlagen gewährleistet waren, konnten wir wahre Wunder beobachten. Ich bin dabei immer wieder begeistert von den Büchern und auch den persönlichen Ratschlägen von Prof. Dr. Brisch. Auf seinen Ideen basiert ein Eingewöhnungskonzept welches ich für meine ersten Kinderkrippen entwickelt hatte. Wer sich gern näher mit seinem Baby beschäftigen möchte, dem empfehle ich mehr über das Säuglings- und Kleinkindalter.

Hier ein Interview mit Prof. Dr. Brisch. Er gibt auch Tipps und Hinweise für Eltern die sich den Schwierigkeiten ihrer Kinder voller Liebe stellen wollen.

Mir erscheint es jedoch grauenvoll jungen Menschen mit Zwang und nahezu körperlicher Gewalt Struktur beibringen zu wollen. In meiner Praxis stellte ich immer wieder fest, dass Kinder nicht an der Struktur lernen, sondern täglich an unserem Vorbild. Sie beobachten die Personen die sie mögen und eifern ihnen regelrecht nach. Kinder wollen groß werden, glücklich sein und ein schönes Leben leben – wieso sollten sie sich also bewusst als Tyrannen aufspielen?

Wenn wir also rücksichtsvolle und regelbewusste Menschen erziehen wollen, leben wir am besten genau dies vor.

Was können jedoch die Ursachen von solchen in dem Film als rebellisch und trotzig dargestellten Verhaltensweisen sein? In meiner beruflichen Praxis musste ich leider erleben, dass Kinder die Essen ausspucken in ihrer jungen Vergangenheit oft schon sexuelle Übergriffe erleben mussten. Will man danach gezwungen werden zu schlucken? Andere junge Menschen waren einfach nur hochsensibel und das gereichte Essen zu rau, zu sauer oder zu salzig. Da hilft zwingen auch nur wenig, sondern einfach eine angepasstere Küche.

Häufig zeigt sich auffälliges Verhalten, wenn Kinder so gewaltige Dinge erlebt haben, dass sie mit ihrem noch jungen Geist einfach überfordert sind. Sie erlebten Stress und Angst im Babyalter und sind daher häufig angespannt und schneller gereizt. Ihre Vorbilder haben geschrieen, geschlagen oder waren psychisch in Grenzsituationen – Kinder gestalten dies nach und versuchen zu verstehen.

Falls sie selbst mit stressigen Situationen überfordert sind oder von Menschen umgeben sind, die schnell gestresst und genervt reagieren, könnte es an Traumareaktionen liegen. Hier empfehle ich das Buch Verkörperter Schrecken von Bessel von der Kolk. Der Titel klingt schlimmer als es sich liest. Bessel von der Kolk gelingt es grandios Trauma zu erklären. Ich durfte ihn schon in Rom auf einem Vortrag erleben. Er zeigt auf was nach einem Trauma passiert und legt unterschiedliche Lösungsmodelle dar. In dem Buch findet jeder was zu genau ihm passt.

Mit einer besonderen Form der Traumabewältigung beschäftigt sich Robin Shapiro. Auch sie durfte ich schon auf Vorträgen erleben. Auch ihre Bücher helfen und begeistern und gehen von einer konstruktiven, wohlwollenden und bindungsorientierten Sichtweise aus. Schwieriges Verhalten tritt immer dann auf, wenn es in früheren Situationen Sinn gemacht hat. Man sollte es nicht wegerziehen sondern den Menschen zeigen, dass es keinen Grund mehr dafür gibt.

Sie müssen spüren, dass sie in Sicherheit sind.

Ja – es gibt im Leben der Kinder Trotzphasen und Phasen in denen sie Halt suchen und Grenzen testen. Da braucht es ruhige Erwachsene die in ihren Grenzen und in ihrer Liebe zum Kind stark bleiben.  Hier mag ich die Posts und Bücher Vom Gewünschtesten Wunschkind aller Zeiten.

P.S. – hat bei all dieser Filmerei eigentlich auch jemand an den Schutz der Privatsphäre gedacht? Möchten die Kids wirklich in diesen Ausnahmesituationen gefilmt werden? Puh – ich wollte das nicht!

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2 Kommentare

  1. Unbedingt – das sehe ich auch so – Eltern brauchen mindestens genauso viel Hilfe ihre eigenen Erfahrungen zu integrieren.

  2. EIN Teil der Hilfe für Kinder könnte auch die Hilfe für Eltern sein. Denn man sich schon fragen, warum SIE so geworden sind, wie sie es sind. Kann jemand, der selbst nicht Sicherheit und Bindung erlebt hat, zuverlässig Sicherheit und Bindung geben?

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