Pisa oder wie man dem Turm entflieht

Einmal im Leben wollte ich den alten schiefen Turm sehen. Wieso ich mir dazu seine 900 Jahr Feier ausgesucht habe weiß ich nicht. Das war wohl ein Versehen.

Zum Glück habe ich als Schlafplatz Lucca gewählt. Alle Stunde fährt von dort nach Pisa ein Bus oder auch ein Zug und man kommt völlig entspannt an. Am liebsten war mir die Ankunft mit dem Bus. So konnte ich den Turm relaxt von hinten anlaufen und sah ihn bevor mir die 100.000 Touristen begegneten. Ich kam durch den nördlichen Eingang der Stadtmauer, an einem netten Cafestand vorbei direkt auf den Turm zu. Das Straßencafé wirkte wie ein Stand am Oktoberfest und verkaufte im Akkord Cappuccino und Espresso. Dort saß ich auf nem Plastikstühlchen und bewunderte das schiefe Kunstwerk.

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Er ist toll renoviert und sein gediegenes Alter sieht man ihm nicht an. Der ganze Turm und der Boden unter ihm ist aus Carrara Marmor und erscheint wunderbar weiß. Für mich war der Turm ziemlich zwergig. Nur 55 m hoch steht er dort mit einem Neigungswinkel von angeblich 4 Grad. Dafür ist er allerdings ziemlich schief.

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Die 294 Stufen kann man hochlaufen, wenn man dies denn mag. Die meisten Touristen erfreuen sich allerdings über Fotos und Selfies. Man lehnt sich auf dem Bild gegen den Turm, hält ihn fest, schiebt ihn um oder wieder gerade, stupst mit dem Finger darauf oder setzt sich anderweitig mit aufs Bild.

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Der Trubel drum rum war mir schnell zu viel und so verschwand ich weiter ins innere der Stadt. Pisa hat viel mehr zu bieten als diesen einen Turm und die Restaurants auf der Altstadtseite.

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Schnell gelangte ich durch die Altstadt auf die Piazza de Cavallieri – ein großer fast menschenleerer Platz mit wundervollen alten Gebäuden. Ein Hausdurchgang ist bemalt und die Farben sind kaum noch zu erkennen.

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An diesem Platz liegt die Bibliothek und verschiedene Kutschen fahren zwischen dem Bahnhof und dem Turm hin und her.

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Es ist als würde die Zeit zurückgedreht sein und alles ein wenig langsamer passieren als sonst.

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Von hier aus macht es Vergnügen in die eine oder andere kleine Altstadtstraße zu laufen bis man den Arno erreicht. Die vielfältigsten kleinen Restaurants bieten einfache italienische Küche an. Es sieht lecker aus und schmeckt phantastisch.

Überall in der Stadt begegnet man den Zeichen der alten kirchlichen Orden, uralten wundervoll renovierten Häusern und den damit verbundenen Geschichten. MU8A7442

Auf der unbedingt to do Liste steht für mich auf jeden Fall das blaue Haus. Es liegt direkt am Arno und sticht in der Farbe völlig aus den Toskanahäusern heraus. Mit wechselnden Ausstellungen lockt es die Touristen.

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Wobei mich auch die kleine Kirche am Arno sehr fasziniert hat.

MU8A7470Abseits der wichtigsten Touristenwege eröffnete sich mir eine wundervolle Stadt voller herzlicher Menschen.

Viel Spaß beim Reisen – versucht es ruhig.

Der Flughafen in Pisa ist übrigens 15 min von der Innenstadt entfernt. Man kann sogar laufen. Das hat mich fast am meisten beeindruckt.

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Toskana für Fortgeschrittene

Ich dachte mir: ich muss den Turm sehen, den schiefen, den in Pisa… Habe ich dann auch und ihn sogar fotografiert. Es gibt jedoch kein Foto wo ich ihn umwerfe, festhalte, mich dagegen lehne oder mit dem Finger darauf zeige. Das machen ja schon all die anderen 1000 Menschen. Der Turm ist klein (ich finde das muss man wissen, wenn man hinfährt) und man kann wirklich hochgehen. Er ist hochmodern renoviert und man sieht ihm die 900 Jahre (leider) nicht mehr an. Ich würde meinerseits einen Besuch im November oder bei Nacht empfehlen außer man liebt Menschenmengen und badet darin. Dann empfehle ich alle anderen Monate und den ganzen Tag. Hab ich eigentlich wirklich jemals geglaubt, dass das Taj Mahal zu voll war? Es ist eine entspannte chillige absolut menschenleere Parkanlage so im Vergleich.

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Ja, die Toskana – der Landstrich – ist wundervoll, die Zikaden zirpen um die Wette, Rockkonzerte mit Roger Waters oder den Gorillaz sind ein wenig lauter und die Touristenströme reißen sich um das letzte Bett.

Das vorletzte dieser Betten habe ich bekommen. Vielleicht auch das allerletzte, zumindest gefühlt war es eher so die lowest Budget Variante. Ich schlief in einem Hotelzimmer was ich nicht gebucht hatte, in einem Campingbett was neben einem zweiten höheren stand und versuchte nicht über den Schimmel an der Wand nachzudenken. Die Dusche war kalt, das W Lan gab es leider nicht und während der ungemütlichen Nachtruhe zerstachen mich Tiere die ich erst mal im Internet googeln musste. Da reise ich durch die halbe Welt und bin echt krisenfest aber die Toskana ist mir zu viel Abenteuer.

Wobei das Essen absolut grandios ist. Ich liebe die einfache Kombination aus Salat, Parmesan, Öl und Brot mit dem großartigen Geschmack von Orangen drumrum.

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Meine Tage bestanden zu einem Teil aus Whats app Schriftstücken mit dem Eigentümer, der Verwalterin und mal wieder mit dem Eigentümer. Zwischendrin sagte mir ein Mensch namens George eine Internetcube zu (der leider nur 10 min funktionierte) und die Dusche wurde warm. Ein Zimmerwechsel stand dann für die dritte Nacht an und so konnte ich noch zwei umschimmelige Nächte in einem Bett gleicher Höhe verbringen.

Beißende Tiere gab es jedoch auch im Nachbarzimmer und vermutlich in ganz Lucca und der halben Toskana, wenn ich nach den Beinen der anderen Urlauber vermuten darf.

Ja – auch Vielreisende können mal danebengreifen 🙂 Es kann ja aber auch nicht immer klappen. Ich sollte wieder auf meine Strategie zurückgreifen, dass ich selten wo sein möchte wo alle anderen Menschen hin mögen. Da ist es eben dann auch schon voll.

Keine Sorge, ich habe auch in der Toskana wundervolle Ecken und wirklich geniale Aussichten gefunden. Ich weiß jedoch jetzt auch wie Urlaub aussehen kann. Das war mal eine wirklich neue Erfahrung.

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Was ich definitiv nicht fotografiert habe, war der Strand in Viareggio. Ich kannte derartige Folterstrände nur vom Erzählen. Es fühlte sich an wie Strandvergewaltigung diese 10.000 Schirme und Sonnenliegen in Reihen und nach Farben sortiert zu sehen. Ich habe nur mühsam den Sand dazwischen gefunden. Wieso tut man dies? Ist das Fortschritt oder Luxus der sich mir nicht erklärt? Ein Platz an diesem Strand kostet 49 Euro (im Beachclub für 2 Personen den ganzen Tag). Es ist mir unerklärlich.

Die wunderschönen Bilder aus der Toskana folgen in den nächsten Tagen… Das Beste kommt zum Schluss!