1. Wie Alles begann


Hallo liebe Welt

Wer keine Zeit für eine Weltreise hat, macht sie einfach in Etappen (dachte ich mir vor einigen Jahren).

Eine Base im Süden von Bayern – ein Job bei dem ich mein Geld verdiene und reisen, reisen und reisen…

Ich bin mittlerweile 45, lesbisch oder auch hetero – es kommt drauf an wer fragt. In meinen besseren Jahren war ich sicher jünger und hübscher und auffallender aber ich misse keines davon. Alle Fältchen sind in vielen glücklichen Momenten gewachsen und jede Sekunde meines Lebens war eine Erfahrung.

Meine grünen Augen retten jeden Moment und lenken glücklicherweise von den Bereichen ab, die ich nicht mehr in den Mittelpunkt setzen mag.

Die Haare sind lockig, lang und rötlich blond. Alles ins rechte Licht gesetzt und Kerzen dazu, mache ich immer noch einen hervorragenden Eindruck.

Ich lebe allein – tja eigentlich nicht ganz – mit mir im Haus wohnt mein 19 jähriger Mitbewohner Adan – bildhübsch und sündig jugendlich; meine Daueraffäre und guter Freund Robin, wenn er mal wieder eine Base braucht, um die Beziehungen auszuhalten und dann wohnt da noch Marina. Sie ist nur selten da und eigentlich Münchenerin – eine Künstlerin die mal gern die eine oder andere Nacht in Tölz verbringt.

Ja, Bad Tölz – meine Base. Der wohl verschlafenste Ort an dem ich jemals gewohnt habe. Es ist der absolut perfekte Ort um zwischen den Reisen zu entspannen und garantiert nicht auf ablenkende Gedanken zu kommen.

Ein Tag ist hier wie der Andere und wird nur von den Touristen unterbrochen die bei Sonnenschein die Stadt fluten. Das stört mich jedoch selten.

Ungünstig sind nur die wenigen Momente in denen ich in meinem im 17. Jahrhundert gebauten Haus in Shirt die Fenster putze und die entsetzen Reisebusführungen vor dem Haus verstört sind da ich dies nicht im Dirndl tue. Hm – es stört wirklich das Bild aber ich vergesse das immer mal wieder beim vor mich hin wohnen.

Wie kam es eigentlich zu diesem lustigen Chaos? Vor einigen Jahren habe ich mich auf den Weg gemacht die Erinnerungen an eine Freundin zu verdrängen.

Neue Geschichten mussten her – eigene Geschichten, möglichst viele, unglaubliche und alles überdeckende Geschichten in denen sie möglichst nicht vorkommt.

Ort sollten sich so selten wie möglich doppeln und ich wollte meine Geschichte neu weiterschreiben.

Sie sollte so aufregend werden, dass ich später die Angestellten im Altersheim so wenig wie möglich langweile. Sie sollte so aufregend sein, dass ich mich immer dran erinnern kann.

Ich wollte so aufregend leben, dass es Fotos und Storys und Emotionen und Bilder im Kopf gibt, die bitte genau meine Geschichte sind.

Ich wollte die Koinszidenzen erkennen und spüren und leben.

Also wünschte ich mir eine Base in Bayern wo ich leben und arbeiten kann, in einer Stunde in München bin und lebe wo andere Urlaub machen.

Die Idee kam mir als ich auf einer kleinen lustigen Insel bei Bali lebte, den Tag damit verbrachte vor mich hin zu tauchen und neue Menschen kennenzulernen. Blue Corner Dive war der Dive Shop der mir beibrachte wie ich oben und unten auseinanderhalte und das es durchaus Sinn macht einfach zu atmen. Atmen als Lebensrettung, als Entspannung, als Krisenrettung und weil es schön ist.

Genau auf dieser Insel saß ich und stellte fest, dass ich nicht wieder heim wollte, sondern bitte ab sofort lebe wo andere Urlaub machen.

Also habe ich geatmet und im Internet gesurft und einen Job im kleinsten bayrischen Dorf gefunden was ich finden konnte. Sie waren so verrückt mich für eine Weile einzustellen und so kam ich zurück nach Deutschland.

Was ich noch nicht hatte war meine Base. Die Base die mir die Wurzeln gibt um in der Welt unterwegs sein zu können.

Also wünschte ich mir ein Haus…

Wie mein Großvater schon sagte, verwünsch Dich nicht – es könnte in Erfüllung gehen.

Also gab ich mir große Mühe mit einer Freundin alle Details auszuarbeiten. Angefangen beim Blumentopf vor dem Haus über den Weg zur Isar, weiter mit dem Fahrradstellplatz im Gang, der Möglichkeit meine Bilder aufzuhängen, Holzböden, Blumenkästen, Küchen, Bäder und vieles mehr. Die Liste wurde lang und immer länger. Ich machte mir keine Vorstellung was ich so alles mit inkludieren wollte, wenn ich schon mal die Gedanken frei schweifen lasse.

Am nächsten Tag schaute ich nach ob „mein“ Haus schon gefunden werden möchte. Ich schaute nicht freiwillig – ich wurde erinnert und erinnert und Dilek stupste mich bis ich endlich Mut fasste.

Und tatsächlich da war es – in der richtigen Größe, am Traumort, wundervoll und perfekt für Alles was ich mir so vorstellte und erträumte.

Es war mein Haus und wurde meine Base – der Ort wo meine Lieben wohnen und meine wichtigen Dinge lagern. Es ist im Laufe der Jahre ein Heim geworden.

Die Base war da, die Klamotten sind willig zu reisen und ich hungrig nach neuen Ideen.

 

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