2. Der erste Weg führte mich nach Thailand


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Ein ewig langer aber super günstiger Flug über Peking durfte mich dort hinbringen. 8 Stunden Peking. Ich freute mich riesig die Stadt zu sehen und quasi im Express abzuhaken. Peking – war wohl die kürzeste Erfahrung die ich je mit einer Stadt hatte. Der Ausgang vom Flughafen war sicher irgendwo – leider jedoch nirgends wo ich ihn fand. Ich fand den Starbucks, viele Hotels, Shoppingcenter und Bänke über Bänke. Nach gefühlten drei Runden durch die gesamte Flughafenwelt fragte ich einen anderen Touristen, dem ich ja immer wieder begegnete, wieso der Flughafen gelbe Scheiben hätte.

Tja, es gibt so richtig gute Fragen im Leben… Es war nicht die Scheibe – es war na klar die Luft dahinter. Es war der berühmte gelbe Smog der Peking gelegentlich erwischt. Wie schön es war, dass der Ausgang sich nicht finden ließ.

Ich liebe diese Momente wo die Dinge die so kurios schief gehen plötzlich eigenartig viel Sinn machen. So kaufte ich Starbucks leer, schaute den Chinesinnen beim Handy spielen zu und genoss den freien Tag. Es ist kaum zu glauben wie viele Candy Crash Varianten es auf gefälschten Handys geben kann.

Nach Stunden und noch mehr Stunden ging endlich der Flug weiter. One Night in Bangkok kam in Sichtweite.

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Mein Hotel sagte mir zu, mein Zimmer bis 24 Uhr freizuhalten und die Zeit verstrich und verstrich weiter. Unglaublich wie gestresst man werden kann ohne auch nur den kleinsten Finger rühren zu können. Der Flieger flog so langsam wie er konnte, der Taxifahrer gönnte mir eine kleine Stadtführung, zeigte mir wie tanken geht und wies mich auf die tollsten Imbissbuden hin. Von meinem dezenten Unwillen gepaart mit großzügiger Ungeduld nahm er keine Kenntnis.

23.58 betraten wir das Hotel. An der Rezeption begann grade eine kleine Schubserei um mein Zimmer. Es war das Letzte und da es vor 24 Uhr war, war es meins.

Wow, es gibt so kleine Siege im Leben die fühlen sich an als hätte man einen riesigen Kampf überlebt.

Nach einem Cocktail, der Besichtigung der Orchideen im Bad und einem Mitternachtsimbiss verschwand ich in das wohl grünste Zimmer was ich je bewohnt habe. Grüne Wände, Betten, Bettwäsche, Türen – alles war in den unterschiedlichsten Grüntönen gehalten. Großartig für die Augen. So schnell wusste ich noch nie, dass ich auf Reisen bin.

Am nächsten Morgen weckten mich Kochgeräusche. Ich habe das Frühstück verschlafen. Das hatte ich schon ewig nicht mehr geschafft.

So ließ ich die grandiosen Pancakes aus und ging direkt zum Curry über.

Am Nachbartisch gefiel mir ein älterer Mann. Auf Reisen habe ich mir angewöhnt solche Dinge zu registrieren. So ging ich rüber und sagte hi. Er hatte mich auch schon beobachtet aber wir beide wussten nicht warum. Also tänzelten wir um alte Geschichten, Wohnorte und Gedanken bis wir Gemeinsamkeiten fanden. Solche Begegnungen haben immer Gemeinsamkeiten und Geschichten die zusammengehören.

Die an diesem Tag stellte jedoch vieles in den Schatten. Wir redeten über alte Bekannte und stellten dabei fest, dass er meine beste Freundin und deren Familie vor langer Zeit kennen lernte und aus den Augen verloren hat. Er vermisste ihre Mutter und dachte oft daran sie wieder zu besuchen aber hatte keine Ahnung wo er sie jemals wiederfinden kann. Er suchte sie und fand sie an keinem bekannten Ort.

In Bangkok, vor einem Zahnarztbesuch dachte er an viele Dinge aus seinem Leben und fand einfach so seine frühere Freundin wieder. Ich zeigte ihm die neue Adresse und erzählte Dinge aus ihrem jetzigen Leben. Wenig später verschwand er zu seinem Termin.

Wochen später, wieder daheim erzählte mir die besagte Mama wie sehr sie einen alten Freund vermisst. Sie würde immer und immer wieder an Peter den Nomaden denken und habe ihn beim Umzug aus den Augen verloren. Als ich ihr seine neuen Daten gab, brach sie fast in Tränen aus.

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Ich bleibe allerdings noch ein wenig in Thailand. Bangkok sollte nur eine Zwischenstation werden. Ein Bus brachte mich in den Süden und ein Boot auf die kleine Insel Ko Tao.

Eigentlich erwarte ich nicht viel von Urlaubsparadiesen aber diese Insel war anders als Alles was ich mir vorstellen konnte. Es fühlte ich an wie ein riesiges Jugendlager mit Strandparties und Hängematten, mit Pizzastuben und Diskotheken, mit Feuershows und Kuriositäten. Thailand fand ich erst, als ich mit einem geliehenen Scooter herumfuhr, hinter einer Wäscherei abbog und dort nach einem Zimmer fragte.

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Oben auf dem Hügel fand ich meinen eigenen Bungalow. Die Anfahrt war so steil, dass der kleine Scooti mit Anlauf genau die Hütte schaffte. Keinen Millimeter weiter und er wäre rückwärts hinuntergerollt. Ich liebte mein Häuschen am Ende der Welt.

Dort klauten Streifenhörnchen mein Obst auf dem Balkon, Katzen saßen auf meiner Terasse und im Bad gab es bei Sonne warmes Wasser und an kalten Tagen eben keines. Das ist backpacklogisch. Von dort konnte ich mich dem Trubel nähern wann immer ich wollte um dann wieder in meine Ruheoase zu flüchten.

Mein Leben bestand aus lebenden Ritualen. Unbedingt musste ich am frühen morgen die Streifenhörnchen füttern. Das war die wichtigste Tat des Tages. Der Rest kann warten.

Frühstück für mich gab es im View Point Ressort. Einfach Pool genießen und den Tag starten, die Sonne anschauen und das Meer bewundern. Das Frühstück war ein Frühstück für alle Sinne. Die Haut fühlte sich an wie mit Seide umschmeichelt. Der Wind vom Meer kühlte ganz leicht. Der Milchschaumkaffee wirkte wie nicht von dieser Welt.

Mittags fuhr ich zu den Kids und Teenagern und schaute mir die wilde Welt an. Es war bunt und laut, lebendig und lustig.

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Ein Platz zum Tauchen war in dem Gewusel schnell gefunden. Mein Tauchpartner wurde ein junger Mann, der sich erst mal ne Weile nicht vorstellen wollte. Es war ihm unbegreiflich, dass ich gern seinen Namen wissen mag. Den müsse man doch kennen. Hm, ich weiß nicht wie genau man jemanden im Taucheranzug erkennen kann aber scheinbar sehen viele viele andere Menschen das anders. Mittlerweile kennen wir uns auch mit Namen. In seinem bürgerlichen Leben verdiente er sein Geld als Pressesprecher einer bekannten Partei und später einer ebenso bekannten Fastfoodkette. Weder in der einen noch in der anderen Form ist er mir jemals begegnet.

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Nach einem anfänglichen Schock, genoss er die neue Situation einfach ein Mensch in Ko Tao zu sein, der lustige Sachen machen kann und mehr interessiert nicht.

Es wurde eine spannende und abenteuerliche Zeit – wir besuchten Beachpartys und Gogo Nights, aßen den besten Fisch am Platz und vergnügten uns nächtelang mit Musik, Feuershows und Cocktails. Alle Abende waren gefüllt mit guten Gesprächen, netten neuen Kontakten und erfüllten Gesprächen über Politik, Glauben und das Leben in München.

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Den großartigsten Abend verbrachten wir an einem Beach im Süden von Ko Tao. Die einzige Beleuchtung war der Vollmond der über dem Meer stand und die Fackeln im Sand.

Fische schwammen in der Kühlbox herum und die neuen Gäste trauten sich kaum an die Dosen. In Hängematten und auf riesigen Sitzkissen chillten die Gäste und auch wir. Gelegentlich unterbrach ein kurzer Schrei das innige Gemurmel, wenn mal wieder jemand sein Handy oder seinen Schlüssel im Meer versenkt hatte. Idylle mit Nebenwirkungen sozusagen.

Ich genoß jede Sekunde in dieser nahezu perfekten Nacht. Feuertänzer am Strand bildeten den Hintergrund und das Meer war der Soundtrack für die wundervollen chilligen Stunden.

Leider blieb mir diese Nacht in wirklich einzigartiger Erinnerung. Am nächsten Morgen wurde die Bar geschlossen und zerstört, dem Boden gleichgemacht und von der Polizei ausgehoben.

Es haben sich in der Nacht nicht nur Handys und Schlüssel im Meer versenkt. Auch eine komplette Touristin ging in dieser Nacht verloren.

Niemand hat sie gesehen und noch weniger von ihr gehört. Das ist die Schattenseite von Ko Tao.

Für mich war es Zeit zurückzukehren. Also rauf auf die Fähre ins nächste Abenteuer. Auf dem Weg über das Meer fuhren wir in das dunkelste Unwetter was ich je gesehen hatte.

Ich wusste nicht, dass man sich bei Sturm auf Deck wirklich festhalten muss und der Körper konnte fliegen. Ich flatterte als Fähnchen im Wind und genoss den Sturm und die Wellen, den Regen und die Stimmung um mich herum. Irgendwann wurden es weniger und weniger Einheimische um mich und es war an der Zeit das Deck zu verlassen und die Bedienungsanleitung der Schwimmwesten zu studieren. Bis zur Landung im Hafen gelang es mir herauszufinden wie sie aus dem Container zu holen sind. Manchmal bin ich so froh, dass ich derartige Anweisungen nie im Notfall lesen muss.

Zurück in Bangkok feierte Sirikit ihren Geburtstag. Wundervoll geschmückte Straßen und Plätze luden ein sich die Stadt ganz genau anzuschauen. Straßenhändler in bester Laune betrogen ihre Kundschaft mit doppelten Preisen, Taxifahrer nutzten die Möglichkeit für ganze Stadtrundfahrten und alle Menschen um mich waren in ausgelassener Stimmung.

Ich selbst zog es vor mit dem Boot Bangkok zu erkunden und eine kleine Tempeltour zu genießen und das indische Viertel unsicher zu machen. Beides war heute ausnahmsweise mal leer. Ein Genuss!

Nach einigen Tagen Genuss ging es wieder heim nach München. Doch nach der Reise ist vor der Reise…

Die nächsten Pläne wuchsen schon in meinem Kopf.

 

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